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07.01.2024

Zehn Fragen an... Paolo La Fata, Head of Competition Park and Pipe

Es war Paolo La Fata, der die erste Freestyle-Tour organisierte und eine Freestyle-Academy für den Nachwuchs gründete. Irgendwie logisch, dass der Engadiner die zündende Idee einer Freestyle-WM im Engadin aufs Tapet brachte. Alles über FRESK, neongelbe Boards und «die Königsdiszplin des Freestylesports» gibt’s in diesem Interview.

Aus einer Idee wird Realität. Was bedeutet es Dir, dass die Freestyle-WM 2025 nun tatsächlich in Deiner Heimat stattfindet?

Es bedeutet mir sehr viel. Ich habe jahrelang an dieser Idee gefeilt und es geschafft, genügend Leute davon zu überzeugen, dass eine Freestyle-WM den Sport schweizweit, aber vor allem im Engadin, weiterbringen wird. Dies ist aber nur der Anfang, denn es bedarf weit mehr als nur neuer Infrastrukturen. Alle im Tal müssen an das Thema Freestyle glauben und Voraussetzungen schaffen, damit sich die Freestyler auch wirklich wohl fühlen.

Wie kann dies erreicht werden?

Es ist ähnlich wie bei allen anderen Themen, in die das Engadin investiert – sei es Langlauf, Mountainbiking oder andere Aktivitäten. Man muss auf die Bedürfnisse der Zielgruppe eingehen und ihnen einen Mehrwert bieten, damit sie wiederkommen. Es geht vor allem um die Angebote abseits der Piste. Es braucht mehr Begegnungszonen, welche den Lifestyle der Freestyler:innen widerspiegeln. Eine tolle Bar am Berg, ein cooles Hotel im Tal, gute Musik, moderne Kunst. Wichtig ist hier auch das Verständnis, dass meine Generation, die die Anfänge miterlebt hat, nun ihren Kids diesen Lifestyle vermittelt. Ein Lebensstil, der das Soziale in den Vordergrund stellt und von Offenheit geprägt ist.

Die Anfänge sind nun doch ein Weilchen her. Wie hat sich die Szene seither verändert?

Sie ist aus den Kinderschuhen herausgewachsen. Von den verrückten Snowboardern, die nur Freiheit und Partys wollten, hin zu einer etablierten Sportart, in der Athletinnen und Athleten hart arbeiten müssen, um etwas zu erreichen. Das Gefühl beim Snowboarden hat sich jedoch nicht verändert. Das Freiheitsgefühl wie beim Surfen ist geblieben und wird auch immer bleiben. Die spielerische Kreativität beim Fahren ist die Essenz des Snowboardens.

Erinnerst Du Dich noch, als Du das erste Mal auf dem Brett gestanden bist?

Ja, es war ein neon-gelbes Board mit harten Bindungen (also Skischuhen). Ich bin etwa eine Stunde lang am Saas Runzel gefahren und dann direkt auf die Piste gegangen. Damals war es das Coolste, das Lachtal hinunterzufahren. 

Vor fast genau zehn Jahren hast du die Freestyle Academy FRESK gegründet. Was war die Hauptmotivation dazu?

Da die Skischulen nicht daran interessiert waren, eine reine Freestyle-Akademie zu gründen, blieb mir nichts anderes übrig, als meinen eigenen Weg zu gehen. Das war nicht einfach, dazumal gab es zum Beispiel noch gar keine vertieften Unterrichtsmethoden für Freestyle. Ich habe deshalb ein Booklet entwickelt, welches die Progression des Unterrichts aufzeigte. Mit diesem haben wir sogar einen Innovationspreis von Swiss Snowsports gewonnen (lacht). Es war sicherlich kein leichter Weg, im Nachhinein würde ich jedoch alles wieder genau gleich machen.

Nicht wenige der Kids, die bei FRESK die Freestyle-Sportarten entdeckt haben, werden an der Freestyle-WM mitfahren. So manche Person bezeichnet Dich als Talentschmied. Siehst Du Dich selbst als ein solcher?

Ich habe sicherlich meinen Teil dazu beigetragen, aber ohne meine Coaches, die grossartige Arbeit leisten, wäre das alles nicht möglich. Ich versuche, meine Philosophie und Vision an die Coaches weiterzugeben – sozusagen die DNA von FRESK – und sie versuchen, dies den Kids zu vermitteln. Ich würde deshalb eher sagen, dass ich den Rahmen schaffe, damit alle optimale Bedingungen haben, um sich weiterzuentwickeln.

Was reizt dich daran, mit dem Nachwuchs zu arbeiten?

Es gibt nichts Schöneres, als zu sehen, wie die Kids sich freuen, wenn sie einen neuen Trick schaffen oder bei einem Wettkampf auf das Podest steigen. Ich möchte den Kids auch das Gemeinschaftsgefühl unter Freestylern vermitteln, was für uns sehr wichtig ist. Sie sollen Spass haben, mit ihren Freundinnen und Freunden zu fahren und sich über den Erfolg der anderen freuen.

FRESK bietet Kurse und Camps in sämtlichen Freestylesportarten - von Biken über Skaten über Surfen bis zu sämtlichen Freestylesportarten im Schnee. Welches ist Dein persönlicher Favorit?

Ich würde es nicht Favorit nennen, aber Snowboarden ist mein Ursprung im Freestyle und die Pipe die Königsdisziplin im Freestylesport. Es ist von daher sicher kein Zufall, dass ich im WM-OK für den Competition Park and Pipe verantwortlich bin.

Gehst Du selbst noch regelmässig in die Pipe?

Im Moment nicht, da wir keine Pipe mehr hatten. Sobald die neue Pipe steht, werde ich aber sicherlich meine Runs machen.

Frage Nummer 10: Was ist Dein Wunsch für die Freestyle-WM im Engadin?

Dass die WM ein riesiger Erfolg wird und die Bevölkerung begeistert. Zudem hoffe ich, dass wir organisatorisch die Messlatte erhöhen, um den Sport weiter voranzubringen und dass wir künftige Generationen für den Sport begeistern