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"Ich mache dies für St. Moritz und den Sport"

Martin Berthod an der Rennstrecke auf Corviglia
Martin Berthod an der Rennstrecke auf Corviglia

Wer über Skirennen auf höchstem Niveau in St. Moritz recherchiert, stolpert früher oder später über den Namen Martin Berthod. Als langjähriger Eventmanager von St. Moritz sowie OK-Präsident und Rennleiter unzähliger Ski-Grossveranstaltungen auf der Corviglia hat er den Skirennsport im Engadin massgeblich geprägt. Nachdem sich St. Moritz nach 1981 rund zwanzig Jahre vom Ski-Zirkus abgewendet hatte, holte Berthod im Jahr 1999 den Damen-Weltcup auf die Corviglia zurück. Heute blicken wir mit dem Herzblut-St. Moritzer auf seine prägendsten Momente am Berg. Ein Gespräch über ein eingestürztes Ziel, den verflixten Masten 13 und das berührendste Dankeschön.

Martin Berthod, wo schaust du die diesjährigen St. Moritzer Skirennen?

Als Voluntari auf der Weltcupstrecke «Engiadina».

Weisst Du schon, wo Du eingeteilt bist?

Nein. Das spielt mir auch keine Rolle, solange ich nicht gerade als Parkwächter im Einsatz stehen muss (lacht). Das kann ich dann machen, wenn ich nicht mehr auf die Ski kann.

Vor 25 Jahren haben Du und Hugo Wetzel die Damen-Weltcup-Rennen auf die Corviglia geholt. Warum genau dann?

Im Rahmen der Kandidatur für die Weltmeisterschaften war es wichtig, dass in St. Moritz nach der langen Pause wieder Weltcuprennen stattfanden. In den Herrenkalender kam man nicht rein, der war immer voll. 1999 durften wir dann die Damen auf der Corviglia begrüssen.

Das klingt fast so, als hättest Du lieber die Herren ins Engadin geholt.

Das würde ich so nicht sagen, aber Speed-Rennen der Herren profitieren tatsächlich von mehr Ausstrahlung und lassen sich daher einfacher finanzieren. Ein Damenrennen fürs (TV-)Publikum attraktiv zu präparieren und erfolgreich umzusetzen ist herausfordernder.

Woran liegt das?

Viele Rennfahrerinnen haben mehr Respekt vor extremen Verhältnissen und Pisten. Es braucht deshalb etwas mehr, damit sie sich auf einer Strecke wohl fühlen. Deshalb fallen bei Damenrennen beispielsweise die beim Publikum beliebten langen Sprünge mehrheitlich weg. Die Corviglia eignet sich jedoch ideal, um attraktive Damenrennen zu veranstalten.

Was macht die Piste denn genau zur idealen Damen-Piste?

Die Strecke ist auf die Frauen zugeschnitten. Es gibt viele sehr lange Wellen, die gut fahrbar sind, wenn man sich in diese hineinfindet. Gute Fahrerinnen haben auf der schwierigen, aber auch harmonischen Piste die Möglichkeit, sich auch tatsächlich von der Konkurrenz abzusetzen.

Dank dem offenen Gelände hat das Publikum zudem die Möglichkeit, die Athletinnen vom Start bis ins Ziel zu verfolgen – dies ist bei vielen anderen Super-G-Rennen nicht der Fall.

Ich nehme an, Du magst Dich auch heute noch gut an die Première der Damen-Weltcup-Rennen vor 25 Jahren erinnern.

Ja, als wäre es gestern gewesen. Das mag auch daran liegen, dass während der Rennen das Ziel umgekippt ist. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert, da hatten wir ein Riesenschwein. Dummerweise sass jedoch der damalige Sportminister Adolf Ogi im Publikum. Seinen Kommentar vergesse ich nie mehr: «Ihr müsst noch viel lernen, wenn ihr wirklich wieder eine Weltmeisterschaft durchführen wollt» (lacht).

Was sind weitere einschneidende Momente, die Du während all der Jahre als Rennleiter und OK-Präsident auf der Corviglia erlebt hast?

Schockmoment war, als Michaela Dorfmeister aus Oesterreich während des Rennens beim Masten 13 um ein Haar mit einem Pistenarbeiter/Voluntari kollidierte. Das unglückliche Fehlverhalten eines bewährten Voluntari hätte ins Auge gehen können.

Ausgerechnet beim Masten 13.

Ja. Und dies war nicht der einzige Vorfall beim Masten 13. Einmal ist während der Weltcup-Woche bei starkem Wind an genau dieser Stelle ein Sessel runtergefallen. Und in der Saison 2001/2002 passierte unterhalb des Masten 13 ein tödlicher Unfall bei einem Fernsehturm. Das war zwar nicht während eines Rennwochenendes, trotzdem war ich vor Ort. Das hat mich jahrelang verfolgt.

Bist Du nun abergläubisch?

Nein, überhaupt nicht. Ich war aber tatsächlich einmal mit einem Pendler unterwegs, der die Umgebung von Masten 13 auspendelte. Er stellte fest, dass genau an dieser Stelle eine Ader durchfliesst, die gewisse Risiken in sich trägt.

Themenwechsel: Vor zwei Jahren hast Du das OK-Präsidium abgegeben. Bist Du manchmal wehmütig, dass Du nicht mehr voll operativ beim Ski Weltcup mit dabei bist?

Nein, aber ich bin sehr froh, dass Robin Miozzari das Präsidium übernommen hat. Jedem hätte ich dieses nicht übergeben wollen (lacht). Wir haben im Vorfeld sehr viel miteinander gesprochen und ich wusste, dass er dies sehr gut machen wird.

Was war Dein Tipp an ihn?

Dass er es so machen muss, wie er es für gut befindet. Er soll es auf seine Art und Weise organisieren, seine Handschrift reinbringen – was er im Übrigen bereits wunderbar umgesetzt hat.

Ich nehme an, Du schaust auch mit einem gewissen Stolz, auf das, was Du in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hast?

Ich habe dies all die Jahre in erster Linie für den Ort und den Sport gemacht. Wenn ich heute sehe, dass mein Einsatz dem Skisport und St. Moritz etwas gebracht hat, ist dies schon ein befriedigendes Gefühl.

Was war das schönste Dankeschön, das Du je erhalten hast?

Ganz klar die Kante*, die ich als Abschiedsgeschenk vor zwei Jahren erhalten habe. Ich habe immer viel Dankbarkeit gespürt, doch so etwas habe ich nie im Leben erwartet. Robin hat das Ganze als Überraschung geplant und mit dem TV zusammen umgesetzt. Es waren alle da. Mein ehemaliges Kaderteam von 1976, alle Voluntari, Freunde und Kollegen und Marc war aus der Kommentatorenkabine in Val Gardena live zugeschaltet. Den Moment, als Robin mich mit der gelben Fahne von der Strecke winkte und ich die angeschriebene Kante sah, werde ich wohl nie mehr vergessen.

*die Berthod-Kante hiess früher Suvretta-Kante