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Über den Wert von Grand Hotels

Es ist sehr einfach und sehr falsch ein Grand Hotel als etwas Dekadentes zu bezeichnen, weil man nicht weiss, was Grand Hotels sind und was Dekadenz bedeutet.

Es gibt auf der Welt viele luxuriöse Häuser, die sich alle unterscheiden, genauso wie es viele Möglichkeiten gibt, dieses Wort für sich auszulegen. Nur eines muss jeder Interpretationsgrundlage gemein sein, bei allen Vorurteilen und Varianten, dass Dekadenz dem Untergang geweiht ist. Sie ist das Ende von etwas. Schon immer. Weltuntergangsstimmung. Ein Mittel gegen die Leere unseres Daseins, durch das wir, im Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit, mit Rausch und Genuss, hinauskommen müssen. Das Fin de Siècle, das Ende des Römischen Reiches und anderer Reiche und irgendwann auch wir, in dieser aufgegeilten Welt kurz vor dem Höhepunkt. Wir bauen schon keine Gebäude mehr, die tausend Jahre alt werden, das haben Demokratien so an sich und Demokraten feiern auch keine Orgien, auf denen Champagner in reissenden Bächen fliesst, wie auf Thomas Coutures Les Romains de la décadence, nicht ungestraft. Unsere Dekadenz besteht aus Dingen, die man kaufen kann und Dekoration, die auf was macht, das sie nicht ist. Bücherregaltapeten, Werbeattrappen, Schaufensterpuppen, Eier aus Bodenhaltung, Warteschleifen, Telefonieren generell, oder das, was heute noch von Telefonieren übriggeblieben ist: Menschen, die Fotos machen, hoch- und runterladen, online kaufen, kaum noch Antiquitätenläden, nur noch mehr Läden, in denen man Handys kaufen kann, kurze Hose und Döner. Wir sind eine Einweggeneration, die Demonstrieren geht, wenn der Tag lang ist, aber lieber fünf Paar Billigschuhe kauft, anstatt eins, das gut ist und lange hält. Weil das eben teuer ist und alles, was teuer ist, für Reiche ist, und dass Reichen ebenso sind, ist leicht gesagt und nicht ganz fertig gedacht, nicht alle sind Waffenhändler.